Kompass: Wintereinbruch 2010

Alle Jahre wieder kommt das Schneechaos. In diesem Jahr sorgte der frühe Wintereinbruch und die Einführung der Winterreifenpflicht für einige Sondersendungen im Fernsehen und einer Artikelkaskade in den – und Onmedien. Mal davon abgesehen: Welche Probleme waren wirklich relevant? Und welche Gefahren für unsere Gesundheit bringt die Kälte eigentlich mit sich?

„Ei, du liebe, liebe Zeit,
ei, wie hat´s geschneit, geschneit!
Rings herum, wie ich mich dreh´,
nichts als Schnee und lauter Schnee.
Wald und Wiesen, Hof und Hecken,
alles steckt in weißen Decken.“

Diese Verse aus dem Gedicht „Der erste Schnee“ von Friedrich Güll beschreiben ein Thema, das in dieser Woche viele Menschen bewegt hat. Staus, Glatteis, heftiger Schneefall – das alles ist den Autofahrern unter uns nicht neu. Auf einen Wintereinbruch Anfang Dezember waren allerdings dann doch nicht alle Autofahrer vorbereitet. Ich möchte euch dazu einladen, mit mir auf diese winterliche Woche zurückzublicken.

Impressionen der letzten Novembertage stimmen dabei gut auf den „Winterzauber in Deutschland und Europa“ ein. Die Spiegel-Online-Redaktion hat dazu eine Fotostrecke zusammengestellt.

Wie die Deutschen und die Europäer auf den Winterzauber reagierten und welche Merkwürdigkeiten sie sich dabei leisteten, fasste die Spiegelredaktion in ihrer „Wunderlichen Wochenschau“ vom 03.12.2010 zusammen. Darin stößt der aufmerksame Leser auch auf Kuriositäten. So vermisste eine Frau in London ihren Schneemann. Der Spiegel zitiert aus einem Telefonat der Frau mit der Polizei: „Ich dachte, wenn es draußen kalt und niemand unterwegs ist, sei er sicher.

30 Zentimeter Schnee sind in der Rhön gefallen. Der Winter ist in Hessen angekommen. Das Bemerken in diesen Tagen nicht nur die Redakteure von „faz.net“.

Die großen Nachrichtenportale werden in den kommenden Tagen auf eine umfangreiche Wintereinbruch-Berichterstattung setzen. Als Nachrichtenkonsument bekommt in diesen Tagen das Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ eine neue Bedeutung. Diese Berichte hat es doch im vergangenen Jahr schon mal gegeben…

Aber zurück zu den Fakten des Alltags: Auf dem Flughafen Frankfurt am Main verursacht das winterliche Wetter Flugausfälle und spätere Abflugzeiten der Flugzeuge. Mehr als 60 Flüge seien bis zum Nachmittag ausgefallen. Teilweise blieben die Maschinen auch am Boden, weil Zielflughäfen – wie etwa Edinburgh in Groß-Britannien – geschlossen wurden. Die Probleme mit dem Winterwetter gab es in mehreren Regionen Europas.

Damit das Winterwetter kein all zu großes Verkehrschaos verursachen kann, setzen die Straßenmeistereien, wie etwa in Rotenburg, auf ihre Streufahrzeuge. Für die Winterdienstler ist es ein Nachtjob. Die Arbeiten beginnen zum Teil schon um 3 Uhr morgens. Da klingt die Aufforderung: „Autofahrer sollen den breiten Räumfahrzeugen Platz machen“ erst einmal verständlich, würde sie die Arbeit der Streufahrzeuge doch erleichtern. Was genau es damit auf sich hat, erklärt „hna.de“.

Einen negativen Beigeschmack erlangt die weiße Pracht am Abend in Leipzig: Eine Schneeballschlacht geriet dort nach übereinstimmenden Berichten von „faz.net“ und „focus.de“ außer Kontrolle. Sie artete in eine Straßenschlacht aus. Erst seien Schneebälle, dann auch Bierflaschen und Feuerwerkskörper geflogen, teilte die Polizei „faz.net“ mit. Zwei Beamte seien dabei verletzt worden.

Die Temperaturen liegen bei -20°C. Nein, nicht hier in Südhessen – in der russischen Hauptstadt Moskau. Sechs Menschen sind dort erfroren, meldet „hna.de“. Es sei mit dem kältesten Winter seit vielen Jahren zurechnen, informierten russische Meteorologen in diesem Zusammenhang.

In Deutschland fiel die Bilanz der Nacht vom 29.11.2010 auf 30.11.2010 so aus:

  • 3 Tote bei Autounfällen
  • 106 Flüge auf dem Flughafen Frankfurt am Main gestrichen, rund 200 Flugpassagiere verbringen die Nacht am Flughafen
  • 1 umgekippter Viehtransporter bei Würzburg

Zudem passieren noch weitere Autounfälle in dieser Nacht. Der umgekippte Viehtransporter bei Würzburg hatte mehr als 100 Schweine geladen, die bei dem Unfall auf die Autobahn sprangen. 25 Tiere starben bei diesem Unfall. Der Fahrer des LKW wurde schwer verletzt.

Die Räumdienste haben währenddessen weiterhin auf den Straßen einiges zu tun. Für rutschsichere Bürgersteige müssen jedoch vielerorts die Hausbesitzer selbst sorgen. Was die Bürger in Frankfurt am Main beachten müssen fasst „faz.net“ für sie zusammen.

In der Nacht zum Mittwoch wurden in Polen -33°C gemessen. Zahlreiche Obdachlose kamen bei diesen Temperaturen ums Leben. Mehrere internationale Flughäfen waren über mehrere Stunden hinweg lahm gelegt. Die Situation auf den europäischen Straßen hat sich durch weiteren Schnee und Eis nicht verbessert.

So lautet die Bilanz der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bei ihrem Blick ins europäische Ausland.

Die Winterdienste für die Fußwegreinigung sind in Frankfurt am Main ausgebucht. Die Frankfurter Fußweg-Reinigung FFR verhängte einen Aufnahmestopp, meldet „faz.net“. Viele Kunden hätten den letzten Winter noch in Erinnerung und daher frühzeitig ihre Verträge verlängert. Hinzu komme, dass die Unternehmen nicht mehr an ihre Kapazitätsgrenze gehen wollen, da sie im letzten Winter bereits Probleme gehabt hätten alle Aufträge zu erfüllen, heißt es in dem Bericht.

Ein Bericht über die Situation auf den hessischen und rheinland-pfälzischen Straßen (2) bietet „17:30 SAT.1 Live“ für Hessen & Rheinland-Pfalz in einem TV-Beitrag an.

Bei -15°C ist in der Nacht zum Freitag in mehreren tausend Haushalten im Südwesten Berlins die Heizung ausgefallen. Die Ursache liege in einem Heizkraftwerk in Lichterfelde. Es habe sich abgeschaltet, teilte eine Sprecherin des Energiekonzerns Vattenfall gegenüber „Welt.de“ mit. Die Welt-Online-Redaktion hat weitere Meldungen des Tages zum Wintereinbruch in Deutschland in ihrem „Wetter-Ticker“ gesammelt.

„Winter in Deutschland: So kalt kann der Dezember“, zeigt „spiegel.de“ in einer Fotostrecke. Und blickt damit auf das kommende Adventswochenende voraus. Jan Schlüter kommentiert die Wetterverhältnisse währenddessen unter dem Titel „Hilfe, ein Flöckchen!“ auf „hna.de“.

Die Winterreifenpflicht tritt in Kraft. Wer bei Schnee, Eis und Matsch trotzdem mit Sommerreifen unterwegs sei und erwischt werde, müsse 40 Euro Bußgeld bezahlen, berichtet „stern.de“. Spezielle Winterreifen-Kontrollen seien dagegen eher unwahrscheinlich. „Bei so einem Wetter haben wir anderes zu tun“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt zu „echo-online.de“.

Die Zeitung „Lübecker Nachrichten“ titelt zu diesem Thema mit „Winterreifen-Pflicht: Autoclub rügt lasche Regeln für Brummis“ (1). Die Vorschrift von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verbessere die Situation auf den Straßen in Bezug auf quer stehende LKW kaum, heißt es dort.

Das Leid der Autofahrer ist die Freude der Bergsträßer Winzer. Durch die klirrende Kälte in der Nacht zum Freitag sei eine früherer Eisweinlese möglich gewesen, informiert „echo-online.de“.

Die Kälte kann für alte und kranke Menschen jedoch auch gesundheitlich zur Gefahr werden. Welche Probleme es neben einem erhöhten Risiko von Infektionen geben kann, ist auf „welt.de“ zu lesen.

Im Norden Deutschlands wollen die Behörden aus dem „Chaos-Winter 2009/10″ gelernt haben. Die Insel Hiddensee war damals tagelang von der Außenwelt abgeschnitten und musste über eine Luftbrücke versorgt werden. „fr-online.de“ berichtet über den „Hiddensee-Notfallplan“.

Dieser Beitrag wurde am 08.02.2011 überarbeitet und von „outofmessel.wordpress.com“ in das Weblog „nachrichtenkompass.wordpress.com“ und schließlich 2013 auf „blog.martinkrauss.eu“ übertragen.


(1) Der Beitrag mit dem Titel „Winterreifen-Pflicht: Autoclub rügt lasche Regeln für Brummis“ ist nicht mehr online erreichbar. Ursprüngliche URL: http://www.ln-online.de/regional/2894852
(2) Der Beitrag mit dem Titel „Schneechaos auf den Straßen“ ist nicht mehr online erreichbar. 17.30 SAT.1 Live für Rheinland-Pfalz und Hessen hat eine neue Webseite bekommen. Alte Beiträge sind nicht mehr im Archiv verfügbar.

(aktualisiert: 15.04.2014, 11.42 Uhr)

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