Das Leben eben: Unterwegs mit der Bahn

Seit drei Wochen fahre ich mit der Bahn zum meiner Praktikumsstelle nach Mainz und wieder zurück. Dabei erlebt der aufmerksame Bahnfahrer so einiges. Außerdem sind in diesen Tagen in Mainz auch die Narren los. „Tut mir leid, wir feiern Fastnacht. Sie können uns erst am Aschermittwoch wieder erreichen“, ist dort dann auf dem einen oder anderen Anrufbeantworter zu hören. Drei Wochen mit der Bahn hin und her gefahren, da ist es Zeit über den ganz normalen Wahnsinn nachzudenken…

Der ganz normale Irrsinn? Kurioses erlebt zu haben, wen wundert das bei der Bahn nicht? Bei einer Bahnfahrt lernt der aufmerksame Passagier die Gesellschaft kennen. Stimmt doch, oder? Willst du was über das Leben erfahr’n, dann fahr‘ mit der Bahn.

Da kann der aufmerksame Bahnfahrer zwei junge Männer beobachten, wie sie sich über das Styling ihrer Haare unterhalten. Sie diskutieren über ihr Outfit und ob die Jacke denn auch zur Hose passt. Sie prüfen immer wieder, ob die Frisur noch sitzt. Ist das Styling perfekt für die Einschulung?

Einschulung? Es sind zwei Abiturienten, die sich für ihren Mottotag in der Schule aufgedonnert haben. Ihr Eindruck wird zum Trugbild, dass ihre wahre Persönlichkeit verschleiert. Ein Abiturient zitiert die Reaktion seiner Mutter auf sein Aussehen: „Wenn man dich nicht kennen würde, könnte man wirklich meinen du wärst brav.“

Okay. Das Styling scheint perfekt. Die Frage ist geklärt. Als nächstes wollen sie als Obdachlose gehen. Eine Herausforderung? Nicht wirklich für die Beiden.

„Gut, dann kommt gleich das Blut“

Beim Zugfahren kann der Passagier auch ganz nützliche Informationen bekommen. Ja, ihr habt richtig gelesen – und das ganze gibt es auch noch gratis. Nur ob dich das auch interessiert, was du da mitbekommst, das musst du selbst entscheiden. Aber zuhören musst du, denn wegzappen geht im Zug nicht so einfach. Ein Beispiel gefällig? Gerne.

Eine Bayerin telefoniert mit Bekannten zu Hause. Im Zug war natürlich nur die eine Hälfte des Gespräches zu verstehen:

„Ist das Wasser schon rausgeschossen?

Gut, dann kommt gleich das Blut.

Ja, das dauert nicht mehr lange.“

So, und jetzt stellt euch diese drei Sätze auf Oberbayrisch vor, dann seid ihr nah am Orginal-Ton dran.

Nun, was soll uns das eigentlich sagen? Das Fragment beschreibt einen Gesprächsausschnitt über den Geburtsvorgang einer Kuh. Das ist doch hochinteressant, nicht wahr?

Besoffen am Samstagmorgen im Zug

Bahnhofsuhr

Bahnhofsuhr in Messel, Foto Martin Krauß

Angeekelt war ich dagegen vielmehr von Fußballfans, die Samstag morgens um 10 Uhr bereits besoffen Bahnfahren und ihr Bier im ganzen Abteil verteilen. Nein, nicht an die anderen Bahnfahrer. Der Müll bleibt natürlich auf dem Boden liegen. Zum Glück sind sie dann umgestiegen, bevor einer sich noch nass gemacht hätte. Der Biergeruch blieb jedoch im Abteil zurück. Das ist einfach nur eklig am Samstagmorgen.

Wenn du als Passagier mit dem Zug fährst und deine Ruhe haben möchtest, hast du in diesen Tagen sowieso Pech. Unlängst bin ich einer Pilzin beim Bahnfahren begegnet. Und ein Bulle hat am gleichen Bahnsteig auf einen Zug gewartet. Dann ist mir auch noch Pippi Langstrumpf begegnet. Nicht einmal – gleich fünfmal. Nein, ich war nicht betrunken.

Aber alles der Reihe nach: Es ist 18.40 Uhr. Ich betrete den Hauptbahnhof in Mainz und sehe sie schon von weitem. Dann stehen sie mir auch noch gegenüber: Fünf Damen gehobenen mittleren Alters mit Pipi Langstrumpf-Perücke. Ihre Kleidung in einem unangenehmen, stechenden hellgrünen Farbton. Das brennt in meinen Augen. Aber, es ist ein netter Empfang, oder?

Närrische Zeiten

Na, dann halte ich auch noch die jugendlichen Machos in Sträflingskleidung und die betrunkenen Rentner aus, deren Gesichter zum Teil so bunt geschminkt sind, als ob Picasso persönlich sich unter Drogen ausgetobt hätte.

Am Tag darauf, ein ähnliches Bild. Diesmal gibt es keine Pipi-Langstrumpf-Invasion im Mainzer Hauptbahnhof, dafür Endzwanziger im OP-Kittel und Frauen als Fliegenpilz verkleidet. Der Höhepunkt an diesem Tag: Ein Jugendlicher im Kuhkostüm mit allem drum und dran.

Närrische Zeiten?  Verrückte Zeiten? Und davon noch mehr in den nächsten Tagen.

Ich habe nichts gegen Narren. Aber, ein kurioses Bild ist es doch – in dem sonst so seriösen Bahnbetrieb.

Stress? Nein, warum auch? Ist doch das Leben eben!

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