Mit der Realität konfrontiert

Ein Handy klingelt, das Gespräch wird entgegengenommen. „Penny, bei der Arbeit ist was passiert. Schatz, Daddy wird für eine Weile weg sein.“ „Was ist los?“ „Es ist alles in Ordnung. Du bist nicht allein. Du hast Bolt. Ich hab ihn modifiziert. Er kann dich jetzt beschützen.“ Bolt ist ein Hund für alle Fälle.

Was nach dem Beginn eines weiteren Superheldenfilms klingt, ist jedoch mehr als das. Bolt ist nämlich gar kein Superheld. Er ist ein Hund, der dem Quotendruck der TV-Industrie zum Opfer gefallen ist. Um pure Emotionen auf seinem Gesicht präsentieren zu können, haben ihn die Produzenten am Set einer Action-Serie eingeschlossen und spielen ihm vor, das sei die Realität.

Solange an jedem Produktionstag dabei auf ein Happy End gesetzt wurde, hat Bolt auch keine Probleme damit. Penny und er erreichen am Ende des Drehtages ihren Wohnwagen und sind vorerst in Sicherheit. Auf den Druck des Senders hin, stellen die Produzenten jedoch auf Cliffhanger um. Als Bolt mitansehen muss, wie seine Penny vom Schurken der Serie entführt wird und er sie nicht direkt retten darf, dreht er durch, reißt aus und fällt in ein Luftfrachtpaket, das nach New York verschickt wird.

Pixars Handschrift ist erkennbar

Ab hier wird aus dem Action-Streifen eine Komödie. Wie der kleine Hund langsam begreift, dass er tatsächlich nur ein Hund ist, sorgt für den einen oder anderen Lacher und ist nett anzusehen. Denn ausgerechnet die Straßenkatze Mittens muss ihm erklären, was es bedeutet Hund zu sein.

Während „Bolt- Ein Hund für alle Fälle“ nun zum typischen Familienfilm aus den Walt Disney Studios wird, ist auf technischer Ebene die Handschrift der Pixar Animation Studios zu erkennen, die von Walt Disney übernommen wurden. Die Animation des Hundes ist den Spezialisten gelungen. Sein flauschiges und detailreich animiertes Fell unterstützt die Atmosphäre des Films. Kinder werden Bolt lieben.

Alles für die Quote

Für Erwachsene Zuschauer ist dagegen die im Film verwobene Kritik am TV- und Filmbusiness interessanter. Sie macht den Film auch für Eltern sehenswert und verhindert, dass sie im bunten Hollywoodkitsch versinken. Um die Serie zum Erfolg zu führen, wird manipuliert und ein komplettes Leben inszeniert. Für die Quote wird dem Helden jegliches normale Hundeverhalten abgewöhnt. Die Geschichte mit einem Menschen zu drehen, hat sich das Studio wohl nicht getraut.

Doch gegen Ende des Films, werden die Regisseure Chris Williams und Byron Howard, die schon bei „Mulan“ und „Lilo & Stitch“ mit an Bord waren, noch einmal deutlicher. Damit die Serie weitergedreht werden kann, wird Bolts Rolle nun von einem anderen Hund übernommen. Wer in Hollywood nicht funktioniert, wird einfach ersetzt.

Den Walt Disney Studios ist es mit diesem Film endlich gelungen nicht nur einen bunten Animations- und Zeichentrickfilm zu produzieren, sondern auch wieder gesellschaftskritisch zu werden. Dieses Ansinnen war nach der Jahrtausendwende in den Produktionen der Walt Disney Studios leider Stück für Stück verloren gegangen.

Titel: Bolt – Ein Hund für alle Fälle
Regie: Chris Williams, Byron Howard
Studio: Walt Disney Studios
Produktionsland: USA
Länge: 96 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6



Icon / Artikelbild: Alessandro Rei – Icon-Set „Dark Glass“ / mentalrey; GPL | (Read me)

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