Nachtschicht: #USWahl

Das Jahr 2012 sorgte bisher vor allem durch die Katastrophe der Costa Concordia vor der italienischen Küste, die Eurrise und durch die Sportgroßereignisse für Aufsehen. Heute, am 07. November 2012, wenige Minuten nach 05.00 Uhr unserer Zeit sorgte die Wiederwahl von Präsident Barack Obama für das Ende des politischen Groß-Events dieses Jahres.

Das Pendeln

Busbahnhof am Frankfurter Flughafen Terminal 1

Busbahnhof am Frankfurter Flughafen Terminal 1 | Foto: Martin Krauß

Ich habe zusammen mit den Redakteuren der Zentralen Nachrichten im Deutschlandfunk die Nacht über die Auszählung der Stimmen verfolgt. Hier ein persönlicher Blick auf diese Nacht.

Die Nachtschicht begann für mich gestern Abend gegen 19:30 Uhr am Hauptbahnhof in Darmstadt. Mit dem Airliner der Heag Mobilo begab ich mich auf dem Weg zum Flughafen-Fernbahnhof in Frankfurt.

Um vom Pendleralltag zu berichten hatte ich mir vorgenommen meinen Weg zu twittern. Schließlich bin ich seit Ende September zwischen Darmstadt und Köln unterwegs. Die Müdigkeit hält sich um 19:50 Uhr übrigens noch in Grenzen. Dennoch freut man sich über nette Tweets:

Der Airliner hält am Busbahnhof gegenüber von Terminal 1 am Frankfurter Flughafen. Von da sind es keine 50 Meter bis zur Überführung über die A3 um zu den Bahnsteigen zu gelangen. Die Bahn-App zeigte bei der Abfahrt in Darmstadt noch eine Verspätung des ICE von zwischen fünf und acht Minuten an. Am Bahnsteig die freudige Überraschung, der ICE steht bereits um 20.04 Uhr an Gleis Fern 6. Ankunft in Köln mit fünf Minuten Verspätung um 21.10 Uhr.

Köln Hauptbahnhof bei Nacht | Foto: Martin Krauß

Köln Hauptbahnhof bei Nacht | Foto: Martin Krauß

21:25 Uhr: Eine Etappe muss noch mit dem Bus zurückgelegt werden.

 

Die Vorbereitung

22:00 Uhr: Schichtbeginn. Welcher US-Sender bietet die verlässlichste Wahlberichterstattung? Die Entscheidung fällt auf CNN. Welche Websites bieten die aktuellen Ergebnisse und vor allem auch einen Überblick über den Anteil der tatsächlich ausgezählten Stimmen? Hier lag eindeutig die Karte des britischen Guardian vorne. Ein Klick auf den Bundesstaat und es lassen sich auch die Entscheidungen der Countys abrufen. Als dritte Quelle neben CNN und Guardian wählte ich politico.com. Die Arbeit meines Online-Kollegen und mir gab es in der Nacht dann auf dem Twitter-Kanal des DLF und:

Die Arbeit

Das wird doch bestimmt eine spannende Wahlnacht, wenn die Prognosen ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhersagen. Nicht umsonst saßen bundesweit Journalisten in den Redaktionen, wie etwa auch im Redaktionsraum bei heute.de:

Als um 1 Uhr deutscher Zeit dann die ersten Wahlergebnisse hereinkamen, begann das Ringen mit den Zahlen. Erst liegt Mitt Romney vorne, dann wieder Barack Obama. Die Spannung stieg besonders dann an, wenn die Wahllokale in einem der „Swing-States“ schlossen. Diese heißen so, weil dort der Ausgang der Wahl ungewiss ist. Die Einwohner dieser Staaten entscheiden sich nicht seit Jahren immer für die gleiche Partei. Aber welche sind eigentlich die „Swing-States“? Süddeutsche Zeitung, Guardian, CNN und die NYTimes schienen sich da nicht ganz einig gewesen zu sein. Dann also lieber nach dem zwei Quellen-Prinzip vorgehen und die Staaten als „Swing-States“ bezeichnen, die mehrere Quellen nennen.

Florida ist seit Jahren als „Swing State“ bekannt. Die Ergebnisse sind dort häufig so knapp, dass die Politiker sich gegenseitig in der Vergangenheit mehrfach auch Wahlmanipulationen vorwarfen. Während sich je nach Stand der Auszählung die Farbe für Florida, das immerhin 29 Wahlmänner stellt, von „Rot“ für Romney nach „Blau“ für Obama und wieder hin und her färbte, bleibt die Frage: Was den Nutzern berichten? Ergebnisse, die auf nicht einmal der Hälfte der ausgezählten Stimmen beruhten, lassen sich schließlich nicht als verlässlich bezeichnen.

Dann doch lieber nicht jede Bewegung berichten und lieber das große Ganze sehen. Dabei sollte man sich jedoch nicht von der Anzahl der US-Staaten täuschen lassen. Die Staaten in Zentral-USA gehen schließlich traditionell an die Republikaner. Allerdings stellen sie nicht gerade die entscheidende Anzahl an Wahlmännerstimmen. Spannend wurde es dann mit den Ergebnissen der Westküste. Um 5 Uhr mitteleuropäischer Zeit holte sich Obama in Kalifornien souverän die 55 Wahlmännerstimmen für die Demokraten.

Und dann ging es schnell:

Zwar wollte Romney die Niederlage nicht sofort anerkennen, doch Obama war sich seiner vier weiteren Jahre im Amt sicher und veröffentlichte ein Bild, dass über die Sozialen Medien rund um die Welt ging:

Schichtwechsel

Erst als die Frühschicht kam und somit der Schichtwechsel an der Reihe war, ging das Adrenalin einer Wahlnacht langsam im eigenen Körper zurück und damit kam die Müdigkeit. Nun von Köln wieder nach Darmstadt und dann schlafen. Ob sich die Nachtschicht zur US-Präsidentenwahl gelohnt hat?

Nun ja, für mich auf jeden Fall. Die zweite Nachtschicht meines Lebens und um wichtige Erfahrungen reicher. Wie viele Leser, User, Hörer sich mit den Journalisten die Nacht um die Ohren geschlagen haben, kann ich schwer sagen. Die Frage wäre aber doch: Was hätten die Medienhäuser zu hören bekommen, wenn sie nicht über die Wahl in diesem Maß berichtet hätten?

Die US-Berichterstattung

Wer CNN oder einen der anderen amerikanischen Sender verfolgte, dem ist sicherlich auch aufgefallen, dass die ersten Ergebnisse der US-Wahl bereits bekannt wurden, als in weiten Teilen des Landes noch gewählt wurde. Über Twitter versuchten ausgehend von diesen Ergebnissen Anhänger der Kandidaten, aber auch deren Wahlkampfteams die Leute in den entscheidenden Staaten zur Wahl aufzurufen. Es gab etwa die Aufforderung: „Ruft doch die Leute in den Swing-States an und sagt ihnen sie sollen Obama wählen“. Oder schlicht die Aufforderung dranzubleiben. Denn wer in der Schlange hing, als die Wahllokale schlossen, durfte dennoch wählen:

Eine andere Besonderheit der US-Wahl-Berichterstattung: Die Statistiker bei CNN gingen immer wieder in den Staaten auf die Ebene der Countys, um dort die Ergebnisse für den Bundesstaat zu erläutern. Ich bin froh, dass ARD und ZDF das bei den Bundestagswahlen nicht auf dieser Ebene präsentieren. Wobei, es wäre vielleicht etwas Neues.


 Artikelbild & Fotos: Martin Krauß;
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