Blackout: Was tun, wenn der Strom weg ist?

Stellen Sie sich Folgendes vor: Es ist Weihnachten. Das Haus ist weihnachtlich beleuchtet, im Garten ist der von Schneeflocken umhüllte und mit LEDs beleuchtete Tannenbaum zu sehen und aus der Küche dringt der Duft des Festessens ins Wohnzimmer. Dort liegt Opa und will noch den Weihnachtsfilm sehen. Der Sohn sitzt am Computer und skyped mit der Freundin, die ein Austauschjahr in den USA macht. Der Vater telefoniert mit seiner Frau, die auf dem Heimweg von der Arbeit im Krankenhaus ist. Plötzlich ist es dunkel. Blackout.

Die elektrischen Kerzen am Tannenbaum im Garten leuchten nicht mehr. Der elektrische Herd funktioniert nicht mehr. Der Fernseher, der Computerbildschirm sind schwarz. Das digitale Telefon ist tot. Die Ampeln um die viel befahrene Straßenkreuzung sind ausgefallen. Ein Truck rauscht in das Auto der Mutter. Und das Krankenhaus? Es hat noch Strom, für 72 Stunden. Aber was, wenn der Stromausfall länger dauert? Was wenn die Mutter schwerverletzt im Koma auf der Intensivstation liegt und lebenserhaltende Maßnahmen braucht?

Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg ist kein Weihnachtskatastrophenbuch. Doch das eben beschriebene Szenario hätte auch gut in Elsbergs Thriller gepasst – der übrigens auch im Winter spielt, zwei Monate nach Weihnachten:

Wir stellen uns „Was wäre, wenn…?“-Fragen nicht gerne. Sie bedeuten, dass wir uns mit etwas beschäftigen müssten, was wir so sehr in unserem Alltag brauchen. Etwas, dass wir auch zur Verfügung haben, aber nicht missen wollen. Doch in Zeiten des Stuxnet-Virus‘, der sich in die Steuerungsprogramme von Kernkraftwerken einnistete, ist auch ein Angriff auf das europäische Stromnetz nicht unmöglich.

© Blanvalet Verlag

Cover: © Blanvalet Verlag

Der Autor Marc Elsberg war Kolumnist bei der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ und ist Strategieberater, sowie Kreativedirektor für Werbung in Wien. Mit Blackout lieferte Elsberg einen sehr gut recherchierten Thriller ab, der glaubhaft ein Katastrophenszenario beschreibt. Eines von dem man sich wünscht, dass es nie Wirklichkeit wird. Während die Stromkonzerne versuchen ihren Profit zu sichern und die Schuld auf das schwächste Glied in der Kette abwälzen, diskutieren die Politiker über einen kriegerischen Angriff aus Asien. Doch den Hinweisen auf die wahren Verursacher will keiner glauben. Auch nicht, nach dem sie der Informatiker Piero Manzano auf die Angriffspunkte aufmerksam macht.

Bei Elsberg ist Politik eben Politik, Behörden sind Behörden und Menschen sind Menschen. Es gibt keine Superhelden, keine überzeichneten Bösewichte, keine naiven Polizisten. Jeder Charakter ist so beschrieben, wie man ihn in der Realität auch in einer Stadt wie Rom, Brüssel, Berlin oder Paris antreffen könnte. Das ist die Stärke von „Blackout“. Der genau 800 Seiten lange Roman saugt einen als Leser durch die realistische, aber nicht überzeichnete Beschreibung geradezu in die Geschichte hinein. Da nimmt man auch die ganzen Fachbegriffe und das Technik-Setting in Kauf.

Ein gut recherchierter Roman

Man kann Europa das Licht ausknipsen. Darauf will der Autor hinaus und so muss man sich als Leser auch im Laufe des Romans darauf einlassen mehreren Handlungsträngen zu folgen. Der Roman zerfällt dabei aber nicht, denn die Personen sind das Bindeglied des europäischen Kontinents. Sie lassen den internationalen Thriller mit dem Herzen in Europa leben.

Wer sich nach der Lektüre auf einen Stromausfall vorbereiten möchte, bekommt Überlebenstipps auf der begleitenden Website. Auch das ist ein Zeichen für die Rechercheleistung des Autors. Nicht umsonst wurde der Roman von dem Magazin „bild der wissenschaft“ als „Wissensbuch des Jahres“(1) ausgezeichnet. Das Magazin schreibt (2):

„Wie man sich fühlt, wenn im Winter der Strom ausfällt – nicht nur für ein, zwei Stunden –, das wissen die Bewohner des Münsterlandes: Vor sieben Jahren knickten dort nach einem Schneesturm 50 Verteilermasten um. 250 000 Menschen waren ohne Elektrizität. Ohne Heizung. Ohne Licht. Ohne Wasser, und damit auch ohne Toilettenspülung. Tagelang. Marc Elsberg erweitert dieses Szenario auf ganz Europa.“

Neben den Bewohnern des Münsterlandes mussten auch die Einwohner Münchens vor wenigen Wochen für einige Zeit ohne Strom auskommen. Zwar nicht tagelang, doch die Münchner Stadwerke sprachen vom schlimmsten Stromausfall seit 20 Jahren.

Der Roman „Blackout“ greift ein relevantes Thema auf. Kein Wunder, dass der Roman von der Firma Dreamtool verfilmt werden soll. Es sei noch nicht bekannt für welchen Sender der Film produziert wird, berichtet der Branchendienst Quotenmeter.de. Auch ein Sendedatum stehe noch nicht fest. Doch das Buch hat den Produzenten beeindruckt.

Wird der Film dem Roman gerecht, dürfte auch ein spannender Fernsehabend auf uns warten. Bis dahin lohnt es sich allemal sich dem Original zu widmen und das Kopfkino zu bemühen.

Das Buch:

MARC ELSBERG: BLACKOUT – MORGEN IST ES ZU SPÄT
Blanvalet Verlag München , ISBN: 978-3-7645-0445-8


 (1) Der Beitrag unter der URL „http://warpsix.komedia.de/bdw/newsartikel.html?bdwArtId=316434“ ist nicht mehr online verfügbar.

(2) Der Beitrag unter der URL „http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/buchtipps/316427.html“ ist nicht mehr online verfügbar.

(aktualisiert: 17.07.2013, 15.49 Uhr)

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