Abwarten

Wir drehen alle am Rad. Geschwindigkeit ist unser neues Lebensmotto. Wir könnten ja etwas verpassen, wenn wir es langsam angehen lassen. Abwarten, das wäre doch mal etwas Anderes.

Jetzt ist es soweit: Bis zum Jahreswechsel sind es nur noch 10 Monate. Was, der Januar ist schon wieder vorbei? Da müssen doch bald schon wieder die Geschenke gekauft werden. Es gibt doch noch so viel zu erledigen. Schnell, schneller, atemlos und mit dem Kopf durch die Wand. Es langsamer angehen lassen, warum denn?

Die Ruhe und Entspannung nach dem Weihnachtsstress hat nicht lange angehalten. Wir sind längst wieder im alten Trott zurück und die guten Vorsätze, da hält sich doch eh keiner dran. Gut, dass wir täglich dazu gezwungen werden, es langsamer anzugehen. „Bitte warten“, das hören wir nicht gerne, wenn wir telefonieren. Aber, wir tun es. Es bleibt uns ja auch gar nichts anderes übrig. Ganz nebenbei entstehen bei einigen Menschen in dieser Wartezeit kreative Zeichnungen. Das gleiche Phänomen gibt es beim Arzt, wenn wir gebeten werden: „Nehmen Sie doch bitte im Wartezimmer Platz“. Hier malen die meisten nicht, sie zücken stattdessen ein Buch hervor oder blättern in der Illustrierten. Da haben wir uns ans Warten gewöhnt.

Andreaskreuz und Bahnübergangsleuchte auf rot

Stopp! Auch am Bahnübergang heißt es: Bitte Warten! | Foto: Martin Krauß

Im Stau ärgern wir uns allerdings nach wie vor. Von der Deutschen Bahn kennt man Verspätungen zwar, sich ärgern ist auf Bahnhöfen dann aber trotzdem eine beliebte Beschäftigung. Wer regemäßig unterwegs ist, sollte sich mit dem Warten auskennen. Manche Dinge ändern sich ja nicht. Unsere Haltung zum Warten jedoch erst, wenn ein Termin platzt. Dann beginnen wir zu lächeln und kommen mit anderen Menschen ins Gespräch. Wir entdecken, was sich alles Sinnvolles mit der Zeit anfangen lässt, die wir unerwartet geschenkt bekommen.

Alles Blödsinn? Abwarten, was die nächsten 10 Monate noch an Wartezeit für uns bereithalten.

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