Neue Tablet-Apps für die Frankfurter Rundschau („FR Digital“)

Die Frankfurter Rundschau hat nach der Insolvenz sich von DuMont Schauberg gelöst. Damit waren auch neue Apps fällig. Diese gönnt sich die Frankfurter Rundschau nun und macht für Android-Tablets den Rückschritt zum ePaper.

Die Nachricht über die Insolvenz der Frankfurter Rundschau ist uns noch immer präsent. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns natürlich auch, dass die Frankfurter Zeitung durch das Engagement der lokalen Konkurrenz eine Zukunft gefunden hat. 

Die ansprechende App-Aufbereitung fürs iPad

„Freuen Sie sich auf die Multimedia-App der FR fürs iPad!“, heißt es euphorisch auf der speziellen Webseite der Frankfurter Rundschau zu ihren Tablet-Apps. Darunter gibt es eine Reihe von ansprechenden Screenshots, die eine für Tablets aufbereitete Form der Zeitungsinhalte zeigt. Diese Screenshots hat die Frankfurter Rundschau stolz auch auf Facebook gepostet:

Facebook-Post Frankfurter Rundschau

Auf der Webseite fr-tablet.de schreibt das Digital-Team, die neue iPad-App bestehe aus zwei Teilen. „Zusätzlich zu ausgewählten Geschichten, die wir speziell für Ihr iPad aufbereiten, enthält die App als zweiten Teil jetzt auch die aktuelle FR-Ausgabe im Original-Zeitungslayout“, heißt es dort.

Die neue iPad-App bietet damit faktisch mehr Inhalte als bisher an. Bis dato gab es nur ausgewählte Geschichten der FR, die mit der Adobe Digital Publishing-Suite multimedial für Tablet-Bildschirme aufbereitet wurden. Für das iPad soll die spezielle Aufbereitung von Inhalten für die Tablet-Oberfläche auch künftig weiterverfolgt werden, anders sieht es bei Android-Tablets aus. Aber dazu komme ich gleich. Für die iPad-App geben die Macher das Versprechen:

„Sie dürfen sich auf noch mehr Bildergalerien, Grafiken und Videos freuen – und auf zusätzliche Geschichten. Erstmals sind Inhalte aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet auf Wunsch zuschaltbar.“

(Quelle: fr-tablet.de)

Auch an der Bedienung haben die Frankfurter gearbeitet: Die App soll für das iPad auch im Hochformat die Inhalte ansprechender präsentieren. Einzelne Artikel sollen archiviert und ganze Ausgaben als PDF abgespeichert werden können.

Die App der Frankfurter Rundschau hat bereits Preise gewonnen

Die Frankfurter Rundschau bietet seit Oktober 2010 eine App für das iPad an. Seit Dezember 2011 ist auch eine App für Android-Tablets von den Frankfurtern erhältlich. Anfangs setzte die Frankfurter Rundschau hier auf eine Publishing-Lösung des Unternehmens WoodWing, wechselte nach dessen Kooperation mit Adobe jedoch zur Adobe Digital Publishing Suite als Layout-Werkzeug für die App-Gestaltung.

In der Pressemitteilung von Woodwing zum Start der Tablet-App der Frankfurter Rundschau wurde unter anderem die Nutzerfreundlichkeit angepriesen: „Die App bietet eine durchgehend tablet-gerechte, sehr leserfreundliche Benutzerführung. Im Hochformat liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Text, die Version im Querformat bietet alle Multimedia-Funktionen wie Bilder, interaktive Grafiken, Audio und Video.“ Der damalige Leiter Online der Frankfurter Rundschau wird zudem mit der Aussage zitiert: „Die App ist Zeitungs-Vergnügen in einer neuen Dimension.“

Die App der Frankfurter Rundschau, in der eine Auswahl von Themen der gedruckten Ausgabe multimedial aufbereitet wird, wurde bereits mehrfach mit dem European Newspaper Award ausgezeichnet. Sowohl im Jahr 2010, als auch im Jahr 2011 erhielten die Macher der App Preise für ihre Arbeit.

Android-Nutzer müssen sich künftig mit ePaper begnügen

Deutlich weniger Komfort und einen großen Rückschritt bedeutet die neue App der Frankfurter Rundschau für Android-Tablets. Die bisherigen Andorid-Nutzer der Frankfurter-Rundschau-App bekommen künftig nur noch das ePaper zum Lesen angeboten. Die Inhalte werden nicht mehr für die Tablet-Oberflächen optimiert und auch nicht wie bisher multimedial angereichert.

Hier scheinen die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH und Frankfurter Societät GmbH, die die Frankfurter Rundschau nach deren Insolvenz vom 1. März 2013 an übernommen haben, auf Effizienz zu setzen. Bereits im Sommer 2013 sparte der Verlag die für iPads aufbereitete App der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein und integrierte deren ePaper in die ePaper-Kiosk-App der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nutzerfreundliche Navigation durch die Tablet-Ausgabe, ade. Das heißt es nun auch für die Andorid-App der Frankfurter Rundschau.

Kioskansicht der neuen “FR Digital” App für Android-Tablets | Screenshot: 04.04.2014

Kioskansicht der neuen “FR Digital” App für Android-Tablets | Screenshot: 04.04.2014

Preisvergleich

Zahlte man bei Google Play für eine Ausgabe in der Frankfurter Rundschau HD – App noch 0,79 Euro, sind künftig für das ePaper 1,79 Euro fällig. Die gedruckte Ausgabe der Frankfurter Rundschau kostet 1,90 Euro. Alle Preise beziehen sich auf die Ausgabe vom 3. April 2014.

Android-Leser dürfen hier künftig über Pinch-and-Zoom im gedruckten Layout der Zeitung hin und her wischen und nach dem Beginn der nächsten Spalte suchen. „[G]anz einfach und bequem durch die Inhalte der einzelnen Ausgaben navigieren“, das sieht anders aus. Vom Funktionsumfang bietet die neue Android-App das, was auch schon in der F.A.Z.  / F.A.S. – ePaper-App bietet. Die Symbole der Navigationsleiste sind sogar identisch. Leider auch die nicht vorhandenen Spalten im text-only Lese-Modus, was zu unangenehm langen Textzeilen führt. Die Frankfurter begründen den Schritt zur ePaper-App wie folgt:

„Aufgrund der vielen unterschiedlichen Android-Versionen und Android-Tablets gab es bei der App immer wieder technische Schwierigkeiten, die wir trotz größter Anstrengungen nicht komplett abstellen konnten und auch in Zukunft nicht abstellen können.“

(Quelle: fr-tablet.de/android/)
Frankfurter Rundschau HD: Die alte Android-Tablet-App

Frankfurter Rundschau HD: Die alte Android-Tablet-App | Screenshot: 04.04.2014

Künftig gilt:

„Die technische Stabilität und die Verfügbarkeit für möglichst viele Android-Tablets stehen an erster Stelle. Dazu wollen wir Ihnen noch mehr Inhalte liefern. Das ist leider nur mit Abstrichen in puncto Multimedialität zu haben.“

(Quelle: fr-tablet.de/android/)

Leider ist das nur die halbe Wahrheit, wie die Apps von anderen Anbietern (z.B. Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel) zeigen. Diese setzen nicht auf die Adobe Digital Publishing Suite, sondern auf eigene Publishing-Lösungen. Sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch der Spiegel integrieren auch in ihre Android-Apps Multimedia-Inhalte.

Den Frankfurtern ist jedoch zuzugestehen, dass die Adobe-Software und -Plattform für Android-Apps einige Tücken bietet. Positiv ist, dass sich die Rundschau davon lösen möchte. Dass eine weniger problematische Lösung automatisch mit Abstrichen bei der Multimedialität verbunden ist, gilt jedoch vor allem dann, wenn eine kostengünstige Lösung benötigt wird. Das scheint derzeit bei der Frankfurter Rundschau der Fall zu sein, trotz der zuletzt eingefahrenen Gewinne. Die Android-App lässt sich mit: nicht schön, aber praktikabel beschreiben. Sie ist für mich aber keinen European Newspaper Award mehr wert.

In den App-Stores

Mit der neuen Tablet-App „FR Digital“ löst die Frankfurter Rundschau auch das Band zur Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG, dem ehemaligen Inhaber der Zeitung. Bisher wurde die Tablet-App der Frankfurter Rundschau etwa bei Google Play noch dem DuMont Schauberg-Konto zugeordnet. Das hat sich nun geändert.

Die neue App heißt „FR Digital“ und muss vom Nutzer aktiv über die Stores heruntergeladen und installiert werden:

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