Eine Buchhandlug ist manchmal mehr als bloß eine Buchhandlung

Penumbras Buchhandlung ist ein geheimnisvoller Ort in San Francisco. Er dient Autor Robin Sloan gleich bei zwei spannenden Geschichten als Handlungsort.

Beginnen wir chronologisch. Im Jahr 1969 bekommt der junge Ajax Penumbra den Auftrag ein verschollenes Buch zu finden. Eine Spur des Buches führt nach San Francisco, wo Penumbra auf den Besitzer einer Buchhandlung trifft, die 24 Stunden geöffnet hat. Mohammed Al-Asmari und sein Angestellter Marcus Corvina helfen Penumbra bei seiner Mission in der buchstäblichen Unterwelt der Stadt.

Robin Sloan erklärt in der Vorgeschichte zu „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“, die der Blessing-Verlag als eBook veröffentlichte, wie die Freundschaft zwischen dem künftigen Besitzer der rund um die Uhr geöffneten Buchhandlung und dem Großmeister eines Geheimbundes entstand. Mit Witz und Charme zeichnet Sloan seine Figuren, die er dann in seinem Roman erneut auftreten lässt. Zwischen der Kurzgeschichte und der Romanhandlung liegen mehrere Jahrzehnte in der Erzählzeit.

Das Buch:

ROBIN SLOAN: DIE UNGLAUBLICHE ENTDECKUNG DES MR. PENUMBRA
nur als eBook verfügbar
Blessing Verlag, ISBN: 978-3-641-14065-6

In „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist es der arbeitslose Webdesigner Clay Jannon, der das Rätsel eben dieses Geheimbundes lösen will. Als Clay auf Jobsuche durch die Straßen von San Francisco streift, entdeckt er ein Schild mit der Aufschrift: „Aushilfe gesucht – Spätschicht – Spezielle Anforderungen“. Das Interesse geweckt, macht er die Bekanntschaft mit dem etwas verschroben wirkenden alten Besitzer der Buchhandlung.

Inzwischen ist Ajax Penumbra der Besitzer

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra  | Cover: Blessing Verlag

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra | Cover: Blessing Verlag

Es ist inzwischen Mr. Penumbras Laden, in dem die Leute nur selten etwas kaufen – dafür häufig Bücher aus der Abteilung „Ladenhüter“, wie Clay sie nennt, ausleihen. Als der Webdesigner ein Modell der Ausleihdatenbank auf seinem Computer entwirft, stößt er auf die rätselhafte Gemeinschaft und ein von den ersten italienischen Buchdruckern verschlüsseltes Buch.

Sloans Herkunft – er hat für Twitter und andere Onlineplattformen gearbeitet – ist in seinem Roman unverkennbar. Computersprachen, wie auch Begriffe aus der Internetbranche oder aktuelle Projekte des Suchmaschinengiganten Google sind in seinem Werk verarbeitet. Seiner menschlich gezeichneten Hauptperson stellt Sloan dabei eine roboterhaft wirkende Mitarbeiterin von Google und einen Firmeninhaber zur Seite, der Animationssoftware für Damenbusen vertreibt.

Moderne Technik gegen althergebrachte Traditionen, dieses Motiv gibt in Robin Sloans Roman den Weg vor. Mal Abenteuerroman, häufig Satire, spiegelt der amerikanische Autor die unkritische Haltung gegenüber der Technik und dem Internet vor der Snowden- beziehungsweise NSA-Debatte. Aber auch den Gegenpositionen gibt Sloan Raum, wobei er eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher und Buchhandlungen abgibt. Allerdings: Sloan selbst nimmt seine Leser auch auf die Schippe und kommentiert eine Beschreibung des digitalen 3D-Modells der Buchhandlung wie folgt:

„Simuliertes Licht, das aus simulierten Fenstern hereinfällt, lässt in dem simulierten Laden markante Schatten entstehen. Wen das jetzt beeindruckt, der ist über dreißig.“

Wer sich dennoch für eine moderne Erzählung über alte und neue Medien begeistern kann, ist bei Robin Sloans Abenteuer-Satire gut aufgehoben. Die Geschichte wird übrigens aus der Perspektive von Clay Jannon erzählt. Er ist der Ich-Erzähler.

Das Buch:

ROBIN SLOAN: DIE SONDERBARE BUCHHANDLUNG DES MR. PENUMBRA
Blessing Verlag, ISBN: 978-3-89667-480-7
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