Mütter verdienen mehr

Mütter behüten uns neun Monate. Sie unterstützen uns ein Leben lang. Doch wir erinnern nur an einem Tag im Jahr an ihre Leistung. Sie haben mehr verdient.

Kürzlich hat eine Werbeagentur aus Boston in den USA eine Stellenausschreibung in Tageszeitungen und im Internet veröffentlicht: Director of Operations, Festanstellung, Vollzeit, 24-Stunden-Bereitschaft. Manch einer mag denken, klingt nach einem hochbezahlten Job, doch spätestens die Anforderungen schrecken ab. In der Stellenausschreibung heißt es, wie die Huffington Post Deutschland übersetzte: „Sie müssen in der Lage sein, mehr als 135 Stunden pro Woche zu arbeiten.“ Weiterhin müssen mindestens zehn bis 15 Projekte gleichzeitig betreut werden können und das während in der Regel auf Pausen verzichtet werden muss. Das sind jedoch nur einige der vielen Anforderungen an den Beruf Mutter, der noch dazu unbezahlt ist.

Sie behüten uns neun Monate. Sie unterstützen uns ein Leben lang. Mütter gelten als die Manager des Familienalltags – auch wenn das Klischee von Kind, Haus und Herd langsam aber stetig mit einer neuen Männergeneration nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Dennoch erinnern wir uns nur an einem Tag im Jahr an die Leistung, die Mütter erbringen. Sie haben jedoch mehr verdient.

Muttertag

Grafik: Martin Krauß | Font: Source Sans Pro; by Paul D. Hunt, SIL Open Font License, 1.1, 22.04.2013

Die Frage, die wir uns stellen müssen ist: Erkennen wir überhaupt die Leistungen von Müttern an? Im Beruf gilt noch immer die Präsenzzeit als Wert für die Anerkennung der erbrachten Leistung. Es macht Hoffnung, dass sich inzwischen einige Arbeitnehmer statt für die nächste Beförderung – die einen Job mit noch weniger Zeit für die Familie bedeutet – für mehr Zeit mit der Familie entscheiden. Hoffnung macht auch, dass Männer langsam umdenken und dem Beruf Mutter Anerkennung zollen, indem sie selbst im Haushalt und der Kinderbetreuung tätig werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass Mütter mehr bekommen als nur einen Tag im Jahr Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Darmstädter Tagblatt, 2. Jahrgang, Nummer 19, am Donnerstag, 08. Mai 2014, Seite 5

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