Wenn Vergeben doch so einfach wäre…

Mobbing, Lügen, Schuld – es ist meist nicht die Tat selbst, die uns quält. Es ist das Verschweigen, das Schmerzen verursacht. Das sich selbst Belügen, um die eigene Wahrheit zu schützen, sorgt für die Verbitterung. Kann da ein Versöhnungsstein reichen, um um Vergebung zu bitten?

Die Fehler unserer Vergangenheit bestimmen unsere Zukunft. Dass dabei etwas winzig Kleines manchmal uns Großes tun lässt, inspirierte die Autorin Lori Nelson Spielman zu ihrem Roman „Nur einen Horizont entfernt“. Nicht umsonst heißt es: Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Wir können die Vergangenheit nun einmal nicht ändern. Aber wir können um jene Menschen kämpfen, die wir am meisten lieben.

Als TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief von einer ehemaligen Mitschülerin erhält, von der sie jahrelang gemobbt wurde, lässt sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit nicht mehr los. Dem Brief sind zwei kleine, runde Steine und eine Anleitung beigelegt. Einen Stein soll sie zurücksenden – als Zeichen dafür, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte.

Romantik gespickt mit Lebensweisheiten von Lori Nelson Spielmann

Es sind diese kleinen Steine, die die berühmte Moderatorin aus der Bahn werfen. Ist ihr Freund der richtige? Soll sie den Job bei dem landesweiten TV-Sender annehmen? Was kann sie riskieren, um ihr Leben besser zu machen? Doch über all diesen Plänen hängt eine Lüge aus ihrer Jugend wie ein Damoklesschwert. Wenn Farr diese Lüge aufdecken würde, könnte die Wahrheit zum Fallbeil werden und ihr Leben verändern. Bleibt sie bei ihrer aus Lügen gestrickten ganz eigenen Wahrheit, würde sie ihre Mutter wohl niemals wieder sehen. Was ist richtig? Was falsch?

Steinstapel - Foto: Martin Krauß

Der Turm, auf dem wir unser Leben aufbauen, gerät ins Wanken, wenn wir Lügen als Fundament wählen. | Foto: Martin Krauß

„Nur einen Horizont entfernt“ von Lori Nelson Spielmann ist letztlich ein Romantik-Roman. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Thematik um Schuld, Mobbing, Lüge und Vergebung „Nur einen Horizont entfernt“ zu einer guten Sommerlektüre macht. Wer sich wagt, in Lori Nelson Spielmanns Werk abzutauchen, wird eine philosophische Ebene entdecken. Der Roman mag zwar in der Figurenzeichnung – gerade zu Beginn – eher oberflächlich wirken. Und ja, die Charakterzeichnung bleibt insgesamt in seiner Vielschichtigkeit auf dem Niveau vergleichbarer Romane. Doch der Plot ist das Besondere.

Die Entwicklung der Hauptfigur macht „Nur einen Horizont enfernt“ besonders

Lori Nelson Spielmann nutzt den Roman, um eine einzige Figur wirklich in allen Schichten auszuarbeiten – die Figur der Hauptperson Hannah Farr. Sie entwickelt sich von der oberflächlichen TV-Moderatorin zu einer vielschichtigen Frau, die sich dem Leben stellt. So platt das klingt: Farr muss sich einigem stellen. Es ist eben die Entwicklung dieser Figur, die „Nur einen Horizont entfernt“ (zur XXL-Leseprobe) interessant macht.

Kurzkritik: „Nur einen Horizont entfernt“ ist Romantik gepaart mit Philosophie. Wer Hochkultur sucht, sollte das Buch nicht lesen. Wer dagegen eine gute Sommerlektüre für Liebhaber von Romantik-Romanen sucht, wird mit Lori Nelson Spielmanns Roman Freude haben.

Das Buch:

Lori Nelson Spielman: Nur einen Horizont entfernt
FISCHER Krüger, ISBN: 978-3-8105-2395-2

 

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