Der Tod so kalt: Thriller meets Heimatroman

Drei grausame Morde in der Südtiroler Bergwelt sind seit Jahrzehnten nicht aufgeklärt. Dreißig Jahre lang hat ein ganzes Dorf geschwiegen – bis ein Fremder nicht locker lässt. Doch der muss feststellen: Der Tod ist eiskalt.

„Der Tod so kalt“ ist der Debütroman des in Bozen geborenen Luca D’Andrea – und ein perfekter Thriller von internationalem Niveau. Direkt nach seinem Erscheinen stieg der Roman in die Top Ten der italienischen Bestsellerliste ein. Seit Montag ist nun die packende Liebeserklärung an Südtirol auch in Deutschland erschienen. Ein Fazit? Einfach nur drei Buchstaben. Wow.

Der Tod so kalt

TV-Autor Jeremiah Salinger, genannt Salinger, kehrt mit seiner Familie in das Heimatdorf seiner Frau zurück. Im Südtiroler Siebenhoch – nahe der Bletterbach-Schlucht – muss sich das Greenhorn aus den USA jedoch umstellen. Von der Anonymität der Metropole New York ist in Siebenhoch nichts zu spüren. Der Ort ist ein Kaff. Hier weiß jeder, was der andere Dorfbewohner treibt. Fremde bleiben in Siebenhoch Fremde. Doch ein Geheimnis gibt es.

Dreißig Jahre lang hat das Dorf geschwiegen. Dreißig Jahre lang führten Fragen, nicht zu Antworten. Nachdem Salinger ein tragisches Unglück in den Bergen mit der Diagnose PTBS überlebt hat, verbeißt er sich in das Geheimnis der Bletterbach-Schlucht – und bringt seine ganze Familie in Gefahr.

"Der Tod so kalt" von Luca D'Andrea

„Der Tod so kalt“ von Luca D’Andrea (italienischer Titel: „La sostanza del male“), ISBN: 978-3-421-04759-5 | Cover: DVA Belletristik

Ein grausamer Mord zwischen Südtiroler Brauchtum

Wie seine Romanfigur ist auch der Autor von „Der Tod so kalt“ TV-Autor gewesen. Luca D’Andreas Thriller ist dessen Erfahrung als Journalist anzumerken. Der Roman wartet mit zahlreichen Cliffhangern auf – und einer Hauptperson, die bei der Recherche des dreißig Jahre alten Mordfalls die richtigen Fragen stellt. Die Charaktere sind sympathisch – selbst, wenn es um die Bestien geht.

Nach und nach entwickelt sich – auch dank der zahlreichen kurzen Kapitel – ein Sog, der den Leser unaufhaltsam in den gut 470 Seiten starken Roman hineinzieht. Die Wendugen sind logisch, die Fallstricke für die Leser konsequent und glaubwürdig gestaltet. Dazu trägt auch D’Andreas Geschick bei, die Bergwelt Südtirols in ihren vielen unterschiedlichen Facetten bildgewaltig in den Köpfen der Leser auferstehen zu lassen. Wie Filmszenen fügen sich die einzelnen Kapitel zu einem großen Ganzen. Spätestens, wenn Salinger sich beim Krampusfest in Siebenhoch den Teufeln stellen muss, wird dann auch deutlich, dass „Der Tod so kalt“ nicht nur Thriller ist.

Die Geschichte ist unweigerlich mit der Heimat von Autor Luca D’Andrea verbunden. Angefangen von den Südtiroler Bräuchen bis hin zum Seperationskampf der Region in den 1980er Jahren – der Roman atmet Heimat. D’Andrea gelingt es aber zuverlässig, einen großen Bogen um Kitsch zu machen. Vielmehr nutzt er die Elemente des Heimatromans, um eine düstere Stimmung zu zeichnen. Sie bilden die Grundspannung des Thrillers, der eine klare Leseempfehlung verdient hat.

Das Buch:

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt
DVA Belletristik, ISBN: 978-3-421-04759-5
Paperback, erschienen am 06.03.2017

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