Der Kritiker

„Der fünfte Brief“ – Der bessere Dan Brown

Kleiner Ritter | Foto: Martin Krauß

Dem skandinavischen Krimi und Thriller geht es derzeit nicht gut. Stieg Larsson ist schon lange tot. Henning Mankell starb im vergangenen Oktober und auf den neuen Jussi Adler-Olsen müssen seine Fans derzeit warten. Der Nachwuchs der großen skandinavischen Autoren hat sich noch keine großen Namen gemacht. Nun steht die Frankfurter Buchmesse vor der Tür. Ehrengast ist ein Land, das deutsche Buchliebhaber vermutlich nicht auf dem Zettel haben, wenn es um das Thriller-Genre geht. Flandern und die Niederlande sind 2016 in Frankfurt mit an Bord.

Passend dazu hat der btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House einen echten Geheimtipp aus den Niederlanden veröffentlicht. Mit „Der fünfte Brief“ von Arjen Lubach wird deutlich, dass es für Thrillerkost wie Illuminati, Sakrileg oder Inferno keinen US-Autoren braucht. Lubach kann den Meister des Thrillers in dieser Kategorie, Dan Brown, sogar noch übertrumpfen. Seine Figuren, seine Handlung, das Setting sind deutlich näher am Leser dran, als Dan Browns Harvard Symbologe Robert Langdon – auch wenn der im Kino von Tom Hanks gespielt wird.

Kurzkritik: „Der fünfte Brief“ ist ein hochspannender Thriller. Dem niederländischen Autor ist eine Rätseljagd gelungen, die selbst die Werke von Dan Brown noch übertrifft. Wer noch dazu von den Verschwörungstheorien rund um die katholische Kirche genug hat, ist hier perfekt aufgehoben. Allerdings: „Der fünfte Brief“ von Arjen Lubach ist definitiv kein skandinavischer, düsterer Stoff.

Mathematikerin geht auf knifflige Rätseljagd

Eigentlich will Elsa mit ihrem kleinen Sohn und dem Mann an ihrer Seite nur in Südfrankreich Kraft tanken. Sie steckt mitten in der Promotion. Doch in die Idylle des familieneigenen Ferienhauses bricht das Grauen mit dem Klingeln des Telefons ein. Elsas Vater, ein emeritierter Professor für Mittelalterforschung, wurde ermordet. Sie reist alleine zurück nach Amsterdam, doch dort gerät sie in die Fänge einer Geheimorganisation. Ihr Vater hat offenbar an etwas gearbeitet, das größter Geheimhaltung bedurfte. Nur sie kann die von ihrem Vater entworfenen Rätsel lösen – und gerät in höchste Gefahr. Wem kann sie trauen? Der Polizei jedenfalls nicht, denn die ist von der Geheimorganisation unterwandert worden. Es folgt ein 24-stündiger Wettlauf gegen die Zeit – von Amsterdam bis nach Südfrankreich.

Der fünfte Brief von Arjen Lubach | Cover: btb Verlag
Der fünfte Brief von Arjen Lubach | Cover: btb Verlag

Arjen Lubach hat eine Schnitzeljagd – mit historischen Elementen – geschaffen, die spannender nicht sein könnte. Dabei kopiert er keineswegs das Muster der Dan-Brown-Romane. Er hat seinen eigenen Rhythmus. Die Fährte, die er den Lesern legt, ist verlockend. Den Thriller will man in einem Rutsch durchlesen, kann ihn kaum aus der Hand legen. Dabei bleiben die Protagonisten überzeugend, sind tiefgründig ausgearbeitet. Ihr Handeln ist nicht hollywoodtypisch, sondern rein menschlich begründet.

„Der fünfte Brief“ rüttelt an den Grundfesten der Niederlande

Arjen Lubach rüttelt mit „Der fünfte Brief“ an den Grundfesten der Niederlande. Statt sich die Mysterien der katholischen Kirche vorzuknöpfen, nimmt Lubach sich die Faszination der Europäer für die Mächtigen vor. Nonchalant fragt der Niederländer: Was wäre, wenn die Verschwörungstheorien stimmen?

Übrigens: Wem das Ende des Buches nicht gefällt, es gibt vom Arjen Lubach eine zweite Fassung, die ursprüngliche Version. Lubach hat bei der Neuausgabe des Romans das Ende überarbeitet. Laut Verlag „nicht, weil er den ersten Ausgang der Geschichte bedauert hätte, sondern weil ihm das zweite Ende in der gegenwärtigen Situation, in der sich unsere Welt befinde, passender erschien.“ (Vorsicht Spoiler: Zur ursprünglichen Version von Arjen Lubachs Romanende.)

Das Buch:

Arjen Lubach: Der fünfte Brief
btb Verlag, ISBN: 978-3-442-71382-0