Mein Ton-Morgen

Töne bestimmen neben Bildern unsere Wahrnehmung. Wenn wir Menschen noch nicht ganz wach sind, selektieren wir umsomehr. Eine persönliche Beobachtung an einem eigentlich ganz normalen Morgen.

Vom Vogelgezwitscher am Morgen aufwachen, die ersten Sonnenstrahlen erreichen die Augen, langsam wach werden: Das kann doch nur einen perfekten Start in den Tag bedeuten.

Dafür ist es aber zu früh. Schließlich sind wir gerade ins neue Jahr gestartet und haben von diesem erst 14 Tage erlebt. Also, das ganze noch einmal im Januar:

Ich wache auf. Das was mich da weckt ist aber kein Vogelgezwitscher, sondern ein Funkwecker. Er quält mich in immer hektischer werdender Mechanik – ohne Rücksicht auf mein leichtes Schlafdefizit – aus dem Bett.

Ich frühstücke und dann bin ich bereit in die Hochschule aufzubrechen. Ich öffne also die Tür und werde von einem einzigen aufdringlichen Vogel begrüßt. Er schreit schrill und fast fühle ich seinen spitzen Schnabel in meinem Genick. Also nichts wie rein in mein Auto und auf den Weg gemacht.

Kleiner Ritter | Foto: Martin Krauß

Kleiner Ritter | Foto: Martin Krauß

Als interessierter Mensch schalte ich natürlich das Radio ein. Ein Fehler – wie soll ich diese Sommer-Feeling-Funny-Musik nur ertragen? Draußen ist es dunkel und ich weiß ganz genau – es bleibt grau. Die Sonne werde ich heute nicht zu Gesicht bekommen. Also, kein Feeling Funny bei diesem Wetter in Sicht. Auch nicht zu dieser Tages- und Jahreszeit. Ein Druck auf den An-/Ausknopf und dieses Radioprogramm, das einfach zum depressiv werden verleitet, ist wieder aus. Mein Ton-Morgen kann weiter gehen.

Ich komme an einem Kloster vorbei. Die Glocke läutet die Mönche zur Arbeit. Wie passend denke ich mir – ich hab noch eine halbe Stunde.

Kurz darauf: Ein Mercedesfahrer hat es wohl eilig und hupt so aufdringlich, dass das letzte Stück Schlaf aus meinem Kopf verschwindet. Ich kann trotzdem nicht an dem Linienbus vorbei. Da muss der Mercedestyp wohl warten.

Endlich habe ich den Parkplatz an der Hochschule erreicht. Ich steige aus meinem Auto aus und freue mich auf den Tag. Auf meinem Weg in die Hochschule höre ich die Sirenen der Polizeiwagen und auch eines Rettungswagens. Ob es den Drängler erwischt hat? Ich weiß es nicht. Will ich auch gar nicht. Mein Morgen hat eine andere Bestimmung. Mal sehen, welche Töne er noch mit sich bringt…

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