Kompass: Arabischer Frühling in Ägypten – Anschläge auf Christen

Dass Ägypten nicht nur ein Land für Urlauber ist, die die Pyramiden besuchen wollen, wurde bereits aus dem „Kompass 28.01.2011“-Beitrag deutlich. Die Welt blickt derzeit auf Ägypten, wegen der Proteste und Demonstrationen des Volkes gegen ihren Präsidenten. Bereits zu Beginn des Jahres 2011 machte Ägypten Schlagzeilen mit dem Anschlag auf koptische Christen. Im zweiten Teil meines Rückblicks auf die Entwicklungen im Land der Cleopatra, stehen die Ermittlungen zu den Anschlägen im Mittelpunkt. Was ist in Ägypten in den ersten Januarwochen passiert?

Die Menschen gehen seit Tagen auf die Straße. Am Freitag eskalierten die Demonstrationen des ägyptischen Volkes. Es sind Demonstrationen für Freiheit, Bildung und Arbeit. In meinen Beiträgen, die über mehrere Tage hinweg publiziert werden, lasse ich die Entwicklungen in dem Land am Nil seit Dezember noch einma Revue passieren. Was geschah nach dem Anschlag auf das Weihnachtsfest der koptischen Christen? Was folgte auf die Straßenkämpfe, die Anfang Januar zwischen Kopten und der Polizei eskalierten?

11. Januar 2011:

Die Spannungen nehmen in Ägypten zu. Ein 23-jähriger Polizist in Zivil schießt in einem Zug um sich, wobei ein 71-järiger Christ getötet wird und mehrere Menschen Verletzungen erleiden. Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums sei der Täter bereits in seiner Wohnung festgenommen worden. Er habe nach der Tat die Flucht ergriffen gehabt. Das Motiv, sowie die Frage, ob er gezielt auf Christen geschossen habe, blieben jedoch unklar. Kurz nach dem Vorfall versammelten sich wütende Christen vor dem Krankenhaus, in dem die Verwundeten behandelt wurden (1).

14. Januar 2011:

„Weil es auch im Westen kein Interesse gibt, eine grundsätzliche Veränderung zu forcieren, sondern nur, Stabilisierung zu betreiben, wird alles wohl beim Alten“ bleiben. Das geheuchelte Mitgefühl mit den Christen im Irak, Ägypten und anderswo in der Region ist ebenso berechenbar wie die plötzliche Flut der zu Anfang des Jahres veröffentlichten Artikel über Christenverfolgung“,

zitieren die „NachDenkSeiten“ ih ihren „Hinweisen des Tages (2)“ vom 14. Januar 2011 aus einem Beitrag der linken Wochenzeitung „Jungle World“. Sinngemäß ist zudem in dem Artikel zu lesen, dass die Artikel über die Anschläge auf Christen im Irak und in Ägypten schnell wieder in den Archiven der Medienkonzerne verwänden. „Jungle World“ kritisiert in deiesem Artikel nicht nur die westliche Politik, sondern auch massiv die Medien.

Mit dem Wissen über die Geschehnisse der letzten Tage, kann mit einiger Sicherheit jedoch festgehalten werden: „Jungel World“ hat sich geirrt. Ägypten wird sich durch diese Proteste verändern. In welche Richtung diese Veränderung geht, ist jedoch noch nicht abzusehen. Das Land wird sicherlich nach den Demonstrationen ein anderes Land sein. Auch im Punkt der Medienkritik muss die Aussage des „Jungle World“ -Artikels relativiert werden. So ganz verschwanden die Ereignisse der ersten Januarwoche des Jahres 2011 nämlich nicht aus der Berichterstattung. Dies wird der 16. Januar zeigen.

Vorerst stufen die Printmedien und der Rundfunk jedoch tatsächlich ein anderes Thema als relevanter ein. Die Politikredaktion von „heute.de“ fasste die neuen Ereignisse folgendermaßen zusammen:

„Für mehrere arabische Herrscher hat 2011 schlecht begonnen. In Tunesien steht Präsident Ben Ali mit dem Rücken zur Wand. In Ägypten demonstrieren Christen, in Algerien und Jordanien protestieren die Menschen gegen hohe Preise und Arbeitslosigkeit.“

Es ist vor allem die Stimme der Jugend, die den Regierungen während der Proteste von der Straße entgegenruft. Viele junge Menschen sind in den arabischen und nordafrikanischen Ländern von den Machthabern enttäuscht und zutiefst frustriert, weil sie keine Arbeit finden.

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton war sich bewusst, dass die Tunesien-Revolution Auswirkungen auf die anderen Staaten der Region haben wird. Laut spiegel.de habe sie die arabischen Herrscher ermahnt, sich die Ereignisse in Tunesien eine Warnung sein zu lassen. Der Spiegel zitiert Clinton mit den Worten:

„Diejenigen, die sich am Status quo festklammern, können die volle Tragweite der Probleme ihrer Länder vielleicht für eine Weile eindämmen, aber nicht für immer.“

16. Januar 2011:

Ein Anschlag auf koptische Christen in Äypten kehrte am Sonntag, den 16. Januar 2011, zurück in die Berichterstattung Focus und NZZ. Allerdings ging es um die Anschläge vom 06. Januar 2010:

Sechs koptische Christen, sowie ein Muslim wurden vor einem Jahr nach der Weihnachtsmesse durch einen Anschlag getötet. Ein Jahr später ist ein Mann wegen diesem Anschlag zu Tode verurteilt worden, der in den Augen der ägyptischen Behörden der Chef des Angreifer-Trios war. Mohammed el Kammuni Mohamed Hassan, wurde – laut einem Bericht von focus.de – vorgeworfen, er habe das Feuer auf die Gläubigen eröffnet.

Nach der Tat vor einem Jahr war die Polizei der Spur eines Racheaktes nachgegangen. Berichten zufolge soll ein muslimisches Mädchen Tage vor dem Anschlag von einem Kopten vergewaltigt worden sein. Diese Vermutung habe für Unruhen in der Region gesorgt, berichtet die NZZ.

Mit dem 39-Jährigen Angeklagten stehen laut Focus und NZZ noch zwei weitere Angeklagte vor Gericht. In diesen Verfahren sei mit einem Urteil am 20. Februar zu rechnen.

23. Januar 2011:

Ende Januar äußert sich das ägyptische Innenministerium schließlich zu dem Anschlag auf Kopten in der Silvesternacht 2010/2011. Die palästinensische Extremistengruppe „Armee des Islams“ soll für den Anschlag verantwortlich sein. Über 20 Personen waren bei dem Anschlag laut NZZ-Bericht ums Leben gekommen.

Die „Armee des Islams“ habe für den Anschlag Ägypter angeworben, erklärten die Behörden. Präsident Mubarak zeigte sich in einer Ansprache jedoch zuversichtlich, dass seine Regierung „über den Terror triumphieren“ werde.

Die Al Kaida nahestehende Gruppierung „Armee des Islam“, die für die Planung und Ausführung des Anschlags verantwortlich gemacht wird, wies die Vorwürfe jedoch zurück. Ein Sprecher erklärte, eine Verbindung zu dem Anschlag bestehe nicht, „Wenngleich wir die Täter loben, die es getan haben.“(2)

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2011 überarbeitet und von „outofmessel.wordpress.com“ in das Weblog „nachrichtenkompass.wordpress.com“ und schließlich 2013 auf „blog.martinkrauss.eu“ übertragen.


 (1) Der Beitrag unter der URL „http://www.tagesschau.de/ausland/aegypten174.html“ ist nicht mehr online verfügbar.

(2) Der Beitrag unter der URL „http://www.tagesschau.de/ausland/anschlagaegypten100.html“ ist nicht mehr online verfügbar.

(aktualisiert am 17.07.2013, 14.34 Uhr)