3 | Weihnachten und seine Symbole

Im dritten Teil des Gespräches über Weihnachtsbräuche und Symbole geht es um die Frage, was Menschen aus den ursprünglichen christlichen Bräuchen gemacht haben. Die Coca Cola Werbefigur „Weihnachtsmann“, ist nur eine davon.

Pünktlich zu Weihnachten, habe ich mich mit Elke und Albrecht Burkholz getroffen. Beide sind Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Messel. Kurz vor dem Heiligen Abend haben wir über die Weihnachtsgeschichte, Weihnachtssymbole und Weihnachtsbräuche gesprochen. Die Weihnachtsbotschaften des Pfarrerehepaars lauten für 2010: „Gott kommt den Menschen nah“, sowie „Die Hoffnung nicht aufgeben“.

Das Gespräch wurde von Martin Krauß geführt und wird in drei Teilen in der Zeit vom 24.Dezember bis 26. Dezember veröffentlicht. In den ersten beiden Teilen, sprachen wir unter anderem über die Weihnachtsgeschichte, den Stern von Bethlehem und über Engel.

Martin: Begegnet Ihnen die Vermischung zwischen christlichen und kommerziellen Weihnachtssymbolen häufig?

Elke: Diese Unterscheidung ist relativ künstlich, weil seit 300 n. Chr. Das religiöse Brauchtum immer irgendwie in den christlichen Zusammenhängen aufgenommen, verwendet und gedeutet worden ist. Der Weihnachtsmann…

Der Weihnachtsmann | Foto: T. Krauß

Der Weihnachtsmann | Foto: T. Krauß

Albrecht: Das ist doch eine Coca Cola Erfindung. Der Weihnachtsmann ist im Grunde eine Werbung von Coca Cola.

Elke: Coca Cola hat den Weihnachtsmann in dem Sinne erfunden. Aber er schließt natürlich schon an eine christliche Geschichte an. Nämlich an den Nikolaus. Er war in einer Hafenstadt in der heutigen Türkei Bischof. In der katholischen Kirche ist er ein Heiliger. Heißt Heiliger Nikolaus und ist heilig, weil damals Piraten die Kinder der Stadt als Sklaven genommen hatten und er den Kirchenschatz herausgerückt hat, um die Kinder auszulösen. Deshalb ist es auch ein Kinderfest und Coca Cola hat dieses Nikolaus Ding für sich auf Weihnachten datiert. Insofern ist auch der Hintergrund des Weihnachtsmannes christlich.

Albrecht: Beide Traditionen, die evangelische, wie auch die katholische suchen immer nach populären Formen. Die Katholiken haben zum Beispiel die Sternsinger. Die gibt es noch gar nicht so lange.

Elke: Vorletztes Jahr wurde „50 Jahre Sternsinger“ gefeiert.

Albrecht: Wir haben bei der katholischen Gemeinde mal angefragt gehabt, ob wir das nicht ökumenisch machen wollen. Das wollte aber die katholische Gemeinde nicht. Wir finden die Sternsinger eine gute Sache. Wir haben das Interesse christliche Ideen und Inhalte zu verbreiten und die Sternsinger haben eine populäre Überzeugungskraft entwickelt.

Elke: Die Leute haben Interesse ihr Jahr zu strukturieren. Das ist eine ganz wichtige Sache, damit nicht alle Tage gleich sind. Die menschliche Psyche braucht eine Struktur in der Zeit und das Kirchenjahr und die ganzen Geschichten, die sich darum ranken sind eine Struktur in der Zeit, die der Seele gut tun.

Albrecht: Krippen zum Beispiel: Ich beobachte, das durchaus Menschen, die mit Christentum vielleicht nicht so viel anfangen, durchaus eine Krippe haben. Gerade in der Grundschule beobachte ich das:
Da ist einer, dessen Vater eigentlich sagt: „Religion ist Quatsch. Gott gibt es nicht.“ Und der baut eine Krippe für sein Kind.

Elke: Was das bedeutet ist schwer zu sagen. Zum Beispiel kam ein Mädchen aus einer ziemlich christlich sozialisierten Familie, die mir sagte: „Das Christkind gibt es nicht.“ Ich fragte darauf, wieso es das Christkind nicht gibt. Dann habe ich ihr erklärt, Jesus sei das Christkind. Man würde Weihnachten feiern, das es geboren ist. Darauf meinte sie: „Das ist aber kein Mädchen!“
Die Christkind-Vorstellung ist eine populäre Vorstellung hier in der Gegend, die so bezogen wurde. In Italien kommt dagegen zum Beispiel eine Fee.

Albrecht: In unserer letzten Gemeinde Schönborn, bei Dietz/Limburg, da sind die Konfirmanden am 24. Dezember als Christkind rumgelaufen.

Elke: In weiße Gewänder verpackt, haben sie an allen Häusern geklingelt und dann kam das Christkind. Die Eltern haben ihnen noch ein Geschenk für die Kinder gegeben. Dort hat das Christkind dann ein Geschenk gebracht. Das ist kein uralter Brauch gewesen. Die Leute lassen sich auch immer wieder Bräuche einfallen, die irgendwie zu einem christlichen Hintergrund passen. Insofern ist das christlich und nicht christlich auseinanderdividieren nicht wirklich einfach.

Martin: Die Rentiersymbolik kommt dann aus…?

Rentier | Foto: Martin Krauß

Rentier | Foto: Martin Krauß

Elke: Die kommt aus den USA und hat mit dem Weihnachtsmann zu tun, weil der einen Rentierschlitten hat.

Albrecht: Dahin ist sie ursprünglich aber über Einwanderer aus Nordeuropa gelangt.

Martin: Es findet also auch eine Vermischung von Wintersymbolik und Weihnachtssymbolik statt?

Elke: Schon ewig und immer.

Albrecht: Religion muss ja immer inkulturiert werden. Die Kultur wandelt sich aber, also müssen sich auch die religiösen Kulturationsprozesse mitwandeln.

Elke: Das geht gar nicht anders.

Martin: Vielen Dank für das interessante Gespräch. Ich wünsche Ihnen Frohe Weihnachten.