Am Nordpol | Eine Kurzgeschichte

Die Weihnachtszeit fordert viele Menschen heraus. Was sollen sie bloß der Familie und den Freunden schenken? Sie hasten von einem Geschäft zum anderen und vergessen den eigentlichen Sinn des Schenkens am 24. Dezember. Mit der folgenden Kurzgeschichte lade ich euch in meiner Fiktion-Reihe zu einer Reise zum Nordpol ein.

Während auf dem Rest der Erde die Hektik für Weihnachten erst zwischen vier und sechs Wochen vor dem 24. Dezember beginnt, ist am Nordpol seit Sommer Hochbetrieb. Der kleine Weihnachtswichtel Tommy hat allerlei zu tun, doch umringt von all den Geschenken, weiß er nicht, was er seiner Freundin schenken soll. Er beschließt jemanden um Hilfe zu bitten.

Den ersten, den er fragen kann ist der Küchenwichtel, bei dem er stets die noch warmen Weihnachtsplätzchen probieren darf:

Tommy:

„Du, kannst du mir vielleicht einen Rat geben? Weihnachten rückt immer näher und ich habe immer noch kein Geschenk für meine Freundin.“

Küchenwichtel:

„Weißt du, Tommy. Mit den Frauen, da ist es so eine Sache. Du weißt nie, ob du ihnen das Richtige schenkst. Ich kann dir nur sagen, was ich meiner Wichtelfrau schenke. Ich backe ihr eine große Torte, auf die ich einen Weihnachtsbaum mit Guss drauf male und „Frohe Weihnachten“ darunter schreibe.“

Tommy konnte nicht backen, das war nicht seine Aufgabe und außerdem war er sich nicht sicher, ob so eine Torte das Richtige für seine Freundin wäre. Tommy fragte also weiter. Dieses Mal bat er den Hauswichtel, der dem Weihnachtsmann das Bett machte, um Rat.

Tommy:

„Du, was schenkst du eigentlich deiner Freundin?“

Hauswichtel:

„Ich schenke meiner Freundin eine Reise nach Hawaii. Hier am Nordpol ist es im Winter schließlich immer recht kühl. Sie wünscht sich diese Reise in die Sonne so sehr.“

Tommys Freundin liebte den Schnee. Eine Reise in den Süden, konnte er ihr also nicht schenken, auch wenn sie das Rentier Rudolph persönlich hingebracht hätte.

Er musste jemanden finden, der sich wirklich mit Geschenken auskennt. Vielleicht Meister Alois, der die Produktion des Spielzeugs überwacht. Einen Versuch war es wert. Meister Alois war berüchtigt für seine ausgefallenen Geschenkideen.

Tommy:

„Meister Alois, ich bräuchte mal Ihre Hilfe. Ich bin auf der Suche nach einem passenden Geschenk für meine Freundin.“

Meister Alois:

„Nun ja, also ein Geschenk für deine Freundin. Wie wäre es mit einer  Einladung den Menschen bei ihrer Weihnachtsfeier zuzuschauen? Ich könnte da vielleicht was arrangieren. Oder, du kannst ihr auch die Wüsten Afrikas zeigen, die sind sehr sehenswert.“

Tommy:

„Was ist denn an den Wüsten Afrikas so sehenswert? Da ist doch bloß Sand. Nein, das ist Nichts für meine Freundin“

Dem Weihnachtswichtel konnte also selbst Meister Alois nicht weiterhelfen. Aber Frau Weihnachtsmann hat mit bekommen, dass Tommy auf der Suche nach einem Geschenk ist. Sie gibt ihm den Tipp, sich nicht nach den Geschenken der Anderen zu richten, sondern in sein Herz zuhorchen und danach sein Geschenk auszuwählen.

Das war für Tommy nicht gerade einfach. Es war das erste Weihnachtsfest, dass er mit seiner Freundin verbringen würde. Aber ihm kam eine Idee.

Am Heiligen Abend überraschte er seine Freundin mit einem warmen wundervoll flauschigen Mantel und einer neuen Wichtelmütze. Dann entführte er sie zu einer romantischen Schlittenfahrt, an dessen Ende sie beide glücklich und zufrieden waren. Gemeinsam warfen sie einen Blick auf den Sternenhimmel und kuschelten sich enger zusammen.

Tommy hatte daraus gelernt. Er wusste nun, dass es nicht darauf ankommt, wie teuer ein Geschenk ist, oder ob das Geschenk nützlich ist. Es muss nur von Herzen kommen und glücklich machen.

Das Wunder der Weihnacht steckt in den kleinen Gesten und Geschenken.

 Die Geschichte ist frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit realen Begebenheiten, Personen oder Firmen sind nicht beabsichtigt und somit rein zufällig.